Erfolgreiche Kommunikation

Egal wo wir auf andere Menschen treffen im Beruf, im Bus, in der Familie, im Sportverein, oder im Freundeskreis – immer kommunizieren wir. „Man kann nicht nicht kommunizieren“ – dieses Zitat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawicks hat fast jeder schon einmal gehört.

Diese Aussage beschreibt sehr treffend, dass Kommunikation nicht nur auf Basis von Worten in einem Gespräch stattfindet, sondern dass zur Kommunikation noch viel mehr gehört, da wir uns ja immer auf die eine oder andere Art „verhalten“. Unser Verhalten hat auch immer eine Wirkung, dabei geht es um Signale des Körpers und unsere Mimik.

Sach- und Beziehungsebene in der Kommunikation

Man unterscheidet in der Kommunikation zwei Ebene: die Sach- und die Beziehungsebene. Die Sachebene betrifft grob gesagt Zahlen, Daten und Fakten – diese bewusste Ebene macht nur 20 Prozent der Kommunikation aus. Die bedeutendere Ebene ist jedoch die Beziehungsebene, auf der unbewusst kommuniziert wird. Sie entscheidet darüber, wie wir uns verstehen. Auf dieser Ebene geht es um Gefühle, Bedürfnisse. Sie wird stark beeinflusst u. a. von unserer Stimmung, Haltung und unseren Erfahrungen.

Hier ist jeder Mensch individuell, daher verlaufen Gespräche oft nicht, wie wir uns es wünschen; wir sind vielleicht verärgert, enttäuscht oder frustriert. Es besteht die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten. Denn nicht immer ist das, was wir sagen, das was unser Gegenüber auch hört bzw. wahrnimmt.

„Jedes Ding hat drei Seiten. Eine, die du siehst, eine, die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.“ Chinesisches Sprichwort.

Was also können wir tun, um erfolgreich zu kommunizieren?

 

Tipps für eine erfolgreiche Kommunikation nicht nur im Konfliktfall

Es lohnt sich, für eine erfolgreiche und verbindende Kommunikation (im Konfliktfall) auf einige – im Prinzip ganz einfache – Dinge zu achten.

Wertschätzung

Begegnen Sie Ihren Mitmenschen mit Wertschätzung. Überzeugen Sie mit einer positiven Ausstrahlung und durch eine aufrechte zugewandte Körperhaltung. Nehmen Sie eine offene Haltung ein, suchen Sie den Blickkontakt; wählen Sie einen angemessenen Tonfall. Gehen Sie auf Ihre Gesprächspartnerin/Ihren Gesprächspartner ein. Die Meinung des/der Gesprächspartner/in hat den gleichen Wert, wie die eigene. Wertschätzung ist eine Grundhaltung für eine gute Kommunikation.

Aktives Zuhören

Versuchen Sie den/die andere/n zu verstehen, bevor Sie selbst verstanden werden. Hören Sie aktiv zu (siehe auch meinen Blockbeitrag Aktives Zuhören). Seien Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz bei Ihrem Gegenüber. Bevor Sie das Gesagte (falsch) interpretieren fragen Sie lieber nach. Lassen Sie andere Meinungen zu. Was könnte Ihnen helfen, die Perspektive des/der anderen neu wahrzunehmen? Verstehen bedeutet dabei nicht, damit einverstanden zu sein. Bleiben Sie dabei authentisch.

 

Beobachten ohne zu bewerten

Teilen Sie Ihre Beobachtung der Situation mit, jedoch ohne Bewertung. Interpretieren Sie nicht, was dies oder das bedeuten könnte. Der Satz „Du bist 10 Minuten nach unserem vereinbarten Termin“ schafft eine offenere Gesprächsgrundlage als: „Immer kommst Du zu spät“ oder „ich bin Dir also nicht wichtig“. Hilfreich könnte dabei sein, sich vorzustellen: was sieht eine neutrale Kamera in dieser Situation? Das ist die Beobachtung.

Eigene Gefühle ausdrücken

Sprechen Sie über Ihre eigenen Gefühle und vermeiden Sie dabei auf jeden Fall Schuldzuweisungen. Mit der Aussage „Ich bin traurig“ übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gefühle. Im Gegensatz zur Aussage: „deinetwegen fühle ich mich schlecht“ – hier geht es um Schuldzuweisungen.

Um ins Gespräch zu kommen bzw. um im Gespräch zu bleiben ist es daher zielführend sich der eigenen Gefühle bewußt zu werden und diese dann klar zu benennen ohne den Gesprächspartner/die Gesprächspartnerin verbal anzugreifen. Ist das Gefühl gerade schwer  zu beschreiben, dann können Sie auch das ausdrücken, indem Sie vielleicht sagen, dass Sie sich gerade hilflos fühlen, oder Überforderung spüren.

Bedürfnisse bewußt machen

Werden Sie sich Ihrer Bedürfnisse bewusst. Was ist es, was Sie in der entsprechenden Situation brauchen. Worum geht es Ihnen gerade. Typische Bedürfnisse, die jeder Mensch je nach Situation hat sind z. B. Ruhe, Entspannung, Unterstützung, Action, Sicherheit.

Wenn Sie zum Beispiel ein Buch lesen wollen, dann kann dahinter das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung stecken. Ein anderer jedoch findet Ruhe und Entspannung in der Meditation oder beim Fernsehen. Lesen, meditieren oder fernsehen sind dabei die Strategien, um das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung zu befriedigen. Teilen Sie also Ihre Bedürfnisse mit und unterscheiden Sie diese von Ihren Strategien.

Mit einer Bitte erreicht man oft sehr viel

Meist hilft es, klar auszusprechen, was man möchte. Das schafft man in der Regel gut, wenn man sich vorher über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse klar geworden ist.

Wie können Sie nun Ihr Anliegen so darstellen, dass das Gegenüber sich nicht bedrängt oder übervorteilt fühlt? Formulieren Sie vorzugsweise eine Bitte oder einen Vorschlag statt einer Forderung. Bei einer Bitte muss man mit einer Absage rechnen, aber es bleibt möglich, einen gemeinsamen Weg zu finden. Eine weitere Kommunikation bleibt möglich.

Eine Forderung kann Druck erzeugen und wird nicht als wertschätzend wahrgenommen und oft abgelehnt. Die Fortsetzung der Kommunikation kann schlimmstenfalls daraufhin enden. Werden Sie sich dann Ihrer Gefühle und Bedürfnisse bewußt und formulieren Sie, was Sie von Ihrem Gegenüber brauchen als Bitte.

Kommunikation sollte klar sein, nicht soft

Das alles bedeutet nicht, „als Softi“ unterwegs zu sein, sondern es bedeutet klar zu kommunizieren, das macht es uns leichter für uns und unsere Bedürfnisse einzustehen und Verbindung zum anderen/zur anderen  herzustellen. Dies sind auch die Grundgedanken der gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.

„Wenn jemand darauf vertrauen kann, dass er oder sie in einem Konflikt gehört und ernst genommen wird, dann stehen die Chancen gut, dass er oder sie bereit ist, sich ebenfalls partnerschaftlich zu verhalten.“ (Marshall B. Rosenberg).

 

menschen auf der bank im gespräch

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