Aktives Zuhören – ein Weg für echtes Verstehen

Wir alle haben uns schon einmal gestritten. Vermutlich hat auch jede und jeder von uns schon einmal den Satz gehört und wahrscheinlich auch selbst schon einmal ausgesprochen: „Du hörst mir ja gar nicht richtig zu“. Richtig Zuhören – was heißt das? Und warum fällt uns das offensichtlich manchmal schwer?

Was heißt "Richtig Zuhören"?

Was meint unser Gegenüber, wenn er/sie uns mit jenem Satz konfrontiert? Wir haben doch die Worte gehört. Wir haben die Worte gehört, aber haben wir auch deren Bedeutung erkannt und haben wir wahrgenommen, wie etwas gesagt wurde? 

Mimik und Gestik können das Gesagte entscheidend unterstützen besonders in emotionalen Situationen. Kommunikation findet auf vielen Ebenen statt. Neben dem Sprechen und Hören gibt es verschiedene Aspekte der nonverbalen Kommunikation.  Kommunikation ist das Mittel der Verständigung zwischen Menschen und kann damit als Bindemittel zwischen uns angesehen werden. Es wäre doch schön, wenn wir uns gut unterhalten und auch gegenseitig verstehen könnten.

In unserer Kommunikation sind wir heute schon vielfältig geschult. Wir wissen, wie man gut formuliert; wir achten darauf, was wir sagen. Unser Augenmerk liegt dabei auf unsere Ausdrucksfähigkeit.

Aber wie sieht es mit dem Zuhören aus? Woran merkt unser Gesprächspartner oder unsere Gesprächspartnerin, dass wir zuhören und dass wir verstehen, worum es auch emotional geht? Durch das aktive Zuhören können wir vermitteln, dass uns der/die andere wichtig ist und wir mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei ihm/ihr sind. Aktives Zuhören führt zu echtem Verstehen. Das bedeutet im Übrigen nicht, mit dem Gesagten einverstanden zu sein – das ist dafür nicht nötig.

 

Wenn wir nicht (aktiv) zuhören...

… dann sagen wir Dinge wie: „ja, ich verstehe schon“ oder „kenn ich auch“ oder „ich weiß, wie es Dir geht“, „du musst nur …“. Das hat nur sehr oberflächlich mit menschlicher Verbindung und Zuhören zu tun. Denn vor allem hören wir dabei das, was wir hören wollen oder bewerten das Gehörte, nehmen höchst wahrscheinlich die nonverbale Kommunikation (Mimik, Gestik etc.) nicht wahr und sind eher mit uns, als mit dem anderen beschäftigt.

Beim Aktiven Zuhören...

geht es um Vertrauensaufbau, wertschätzenden Umgang und Empathie.

Der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers hat den Begriff des aktiven Zuhörens als Werkzeug für die klientenzentrierte Psychotherapie geprägt. Der Mensch steht im Mittelpunkt; es geht um die Beziehungen der Menschen untereinander. Nicht nur das Gesprochene Wort ist wichtig, sondern auch die emotionale Ebene wird mit einbezogen. Was könnte hinter dem Gesagten (zusätzlich) stehen?

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Was macht Aktives Zuhören aus?

Das aktive Zuhören bedarf einer offenen empathischen Grundhaltung.

Hören Sie Ihrem Gegenüber aufmerksam zu, ohne zu bewerten. Fassen Sie das Gehörte zusammen und fragen Sie nach, ob Sie es richtig verstanden haben. Das fördert das Verständnis auf beiden Seiten.

Bringen Sie wichtige Aspekte auf den Punkt, damit Sie sicher sind, über die gleichen Dinge zu sprechen.

Nehmen Sie die Aussagen wertschätzend auf der Gefühlsebene wahr und benennen Sie diese. Zum Beispiel: „Fühlst Du Dich gerade alleingelassen?“ Oder „Wünschst Du Dir mehr Unterstützung?“. „Belastet Dich diese Situation – was brauchst Du jetzt?“; „Du bist deswegen aufgeregt und Dir fehlt Beistand“?. Fragen Sie nach bei Unklarheiten: „Das ist interessant -wie meinst du das konkret?“

Lassen Sie Ihrem Gegenüber Zeit und halten Sie sich zunächst mit einer eigenen Meinung zurück.

Geben Sie kleine Körpersignale wie z. B. Augenkontakt und ein Kopfnicken, um zu zeigen, dass Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit bei Ihrem Gegenüber sind. Leisten Sie keine ungefragte Beratung, sie könnte als Bevormundung wahrgenommen werden. Fragen Sie vielleicht, wie nach Meinung des Sprechers/der Sprecherin die Situation oder das Problem gelöst werden könnte.

Bleiben Sie aber auch authentisch. Achten Sie auf Ihre eigenen Gefühle und lassen Sie sich durch Kritik nicht aus der Ruhe bringen.

Beim aktiven Zuhören vermittelt der Zuhörer/die Zuhörerin dem Gegenüber, die sachlichen und emotionalen Aspekten verstanden zu haben. In schwierigen und gefühlsbetonten Gesprächen kann dadurch Vertrauen und Verbindung aufgebaut werden und wirksame Kommunikation stattfinden.

Aktives Zuhören in der Mediation

Aktives Zuhören passt zu jeder Form von Gespräch und Diskussion im privaten oder beruflichen Bereich. In der Mediation hat das aktive Aktives Zuhören einen festen Platz.

In der Mediation werden Konfliktparteien (=Medianden) an einen Tisch gebracht, um einen Konflikt mit Hilfe eines allparteilichen Mediators/einer Mediatorin zu lösen. Es geht um Verstehen und Verstandenwerden.

Der/die Mediator/in ist geschult in aktivem Zuhören. Die Medianden werden im Prozess der Mediation an dieses Element des aktive Zuhörens herangeführt, sodass beide Konfliktparteien sich gehört und gesehen fühlen können. Eine vertrauensvolle Annäherung ist dadurch wieder möglich und es kann unter den Beteiligten ein Konsens erreicht werden.

Lesen Sie auch meinen Blogbeitrag zu den Vorteilen der Mediation.

Der Mensch hat zwei Ohren und eine Zunge, damit er doppelt soviel hören kann, wie er spricht“ (Epiktet)

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