Alternative Konfliktlösung: 1001 Gründe für Mediation

Menschen streiten sich. Mal streiten sie heftig, mal konstruktiv, oft ungewollt und manchmal viel zu lange. Konflikte sind so normal wie das Leben selbst. Sie resultieren meist aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, gegensätzlichen Bedürfnissen oder aus klassischen Missverständnissen. Meist erledigen sich kleinere Streitereien schnell wie von allein. Aber was ist, wenn die Angelegenheit zu einem andauernden Konflikt wird? Spätestens, wenn wir deswegen schlaflose Nächte haben oder die Sache uns auf den Magen schlägt, ist es ratsam, sich Unterstützung zu holen. Die Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren zu Konfliktbeilegung.

Welche Vorzüge hat Mediation?

Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Konfliktparteien (=Medianden) mit Hilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben – so steht es im Mediationsgesetz, an das sich zertifizierter Mediatorinnen und Mediatoren halten. Und das sind schon die ersten 7 Gründe:

Vertraulichkeit: die Beteiligten sichern sich gegenseitig Vertraulichkeit zu. Nichts, was nicht vorher ausdrücklich gemeinsam vereinbart wurde, wird an andere Personen weitergegeben.

Strukturiert: Das Verfahren hat eine Struktur. Gestartet wird mit der Einführung und der Verfahrensklärung. Themen und gemeinsame Ziele werden gesammelt. In der Hauptphase wird „Licht ins Dunkel“ gebracht und Interessen und Bedürfnisse geklärt. Es werden gemeinsam Ideen und Optionen zur Lösung gesammelt und letztlich ein Konsens gefunden. Die Konfliktparteien treffen eine Vereinbarung.

Freiwillig: Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten freiwillig an der Mediation teilnehmen.

Hilfe von Mediatorinnen/Mediatoren: die Konfliktparteien sind nicht allein; sie erhalten kompetente Unterstützung für den Prozess.

Eigenverantwortlich: die Konfliktparteien agieren eigenverantwortlich, das heißt, sie sind bereit und haben die Pflicht, die Verantwortung für ihr eigenes Tun oder Unterlassen zu tragen. Die Medianden haben alles selbst in der Hand.

Einvernehmliche Beilegung: die Konfliktparteien streben einen Konsens an, also eine win-win-Situation, bei der es keine Verlierer gibt und die Maß genau zu den Medianden passt. Dadurch werden nachhaltige Lösungen gewonnen.

Anstreben einer Beilegung: die Konfliktparteien bringen die Bereitschaft mit, konstruktiv an einer Lösung mitzuarbeiten.

So viele Argumente allein in diesem einen Satz. Und wie Sie sich denken können – es gibt noch viele mehr.

Was mich vor allem in meinen Anfängen, als ich das erste mal mit diesem Verfahren in Kontakt kam, fasziniert hat, ist die Tatsache, dass es im Vergleich zu einer juristischen Aufarbeitung bei der Mediation nicht um Schuld geht, sondern um Bedürfnisse, Interessen, Standpunkte und nachhaltige Lösungen. Die beteiligten Menschen wahren Ihr Gesicht und können in Verbindung bleiben. Die Medianden hören einander zu; es geht um Verstehen und Verstanden werden. Die Mediatorinnen und Mediatoren sind dazu da, diesen wertschätzenden Dialog zwischen den beteiligten zu fördern. Sie verhalten sich dabei allparteilich; sie sind für alle Konfliktbeteiligten gleichermaßen da.

Die erreichte Zufriedenheit bei den beteiligten Menschen führt dazu, dass nachhaltige Lösungen gefunden werden.

Man spart Geld, Zeit und Nerven: Im Vergleich zu einem Gerichtsverfahren kann viel schneller eine Lösung erreicht werden und allein daher sind die Kosten deutlich geringer.

Im Businesskontext, kann der wirtschaftliche Schaden geringer ausfallen, da personelle und betriebliche Ressourcen geschont werden können. Auch ein drohender Imageverlust in der Branche kann mit einer Mediation vermieden werden.

In der Familienmediation kann in besonderer Weise das Kindeswohl berücksichtigt werden und zusätzlich erleben Kinder, wie Konflikte konstruktiv gelöst werden können.

Mediationen bei Erbstreitigkeiten können den Familienfrieden sichern und Vermögenswerte erhalten.

Die Schulmediation wird immer häufiger in Schulen etabliert. Schülerinnen und Schüler werden zu Schulmediator-/innen ausgebildet. Dadurch werden die Kinder und Jugendlichen frühzeitig an diese Möglichkeit der Streitbeilegung herangeführt, letztlich auch ein entscheidender Aspekt der Gewaltprävention.

In allen Bereichen des täglichen Lebens kann Mediation genutzt werden, etwa bei Konflikten in der Nachbarschaft, beim Sport, im Verein, zwischen Organisationen, im Gesundheitswesen, bei Generationenkonflikten.

Es gibt auch Nachteile, das soll hier gar nicht verschwiegen werden: Eine Mediation kann anstrengend sein, alle Beteiligten müssen mitarbeiten wollen. Manchmal müssen sich die Medianden sich ihren eigenen Gefühlen und denen der anderen stellen. Das kann schmerzlich sein. Zudem begibt man sich in ein Verfahren, das man noch nicht kennt und das auch im Familien- oder Freundeskreis noch nicht so präsent ist. Wenn man bedenkt, dass in einem lange schwelenden, mitunter schmerzhaften Konflikt keine Änderung von allein zu erwarten ist, so bietet die Mediation die Chance einer gänzlich neuen Betrachtung des Konflikts mit der Möglichkeit endlich gemeinsam etwas verändern zu können. Aus dieser Perspektive also durchaus eine Anstrengung, die sich lohnt!

Das waren noch nicht ganz 1001 Gründe für eine Mediation. Ich denke: Jede erfolgreiche Mediation ist ein weiterer guter Grund!

Welche Gründe für Mediation kennen Sie noch? Schreiben Sie mir gerne!

(Wortwolke generiert mit wortwolke24.de)

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